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Ackerbau


Viehloser Ackerbau im ökologischen Landbau

Lange Zeit war der Gemischtbetrieb das Idealbild des ökologischen Landbaus. Seit den Achtziger Jahren wirtschaften jedoch immer mehr landwirtschaftliche Öko-Betriebe ohne eigene Tierhaltung oder mit geringem Tierbesatz.
Von September 2002 bis Dezember 2003 wurden in einem Projekt des Bundesprogramms Ökologischer Landbau Erfahrungen und Beispiele zum Thema viehloser Öko-Ackerbau zusammengetragen und ausgewertet. Durchgeführt wurde dieses Projekt von Dr. Harald Schmidt an der Professur für Organischen Landbau der Universität Gießen.

In einer Umfrage äußerten 55 Öko-Beraterinnen und -Berater ihre Ansichten zur viehlosen bzw. vieharmen (< 0,2 GV/ha) Öko-Bewirtschaftung: Sowohl die viehlosen Anbausysteme an sich als auch die Probleme im viehlosen Ackerbau sind ähnlich vielfältig wie in den ökologischen Gemischtbetrieben. Gemeinsam ist den meisten viehlosen Betrieben, dass sie die Erträge aus dem Klee- oder Luzerneanbau nicht nutzen können und dass keine eigenen Wirtschaftsdünger vorhanden sind. Als Basis der Fruchtfolge wird meist eine Grünbrache gewählt. Besondere Probleme liegen oft beim Unkrautdruck und in der Pflanzenernährung. Bei einer Bewertung der viehlosen Betriebe durch Berater wurden diese in den Bereichen Pflanzenbau und Nachhaltigkeit durchschnittlich schlechter und im Bereich der Ökonomie besser bewertet als Gemischtbetriebe. Die meisten Berater akzeptieren den viehlosen Öko-Ackerbau als eine Möglichkeit des ökologischen Landbaus.

Wichtigster Bestandteil des Projekts war die intensive Beschäftigung mit zwölf über ganz Deutschland verteilten Betriebsbeispielen. Es wurden Betriebe ausgewählt, die laut Beratung erfolgreich viehlos bzw. vieharm wirtschaften. Auf Grundlage von detaillierten Betriebsberichten haben Experten aus Beratung und Wissenschaft die Betriebe bewertet und kommentiert. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Stickstoffversorgung.

Die Anbausysteme der Betriebsbeispiele sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von:

Die Fruchtfolgen werden oft je nach Bedingungen (z.B. Markt, Unkrautdruck, Stickstoffversorgung) flexibel geändert.

Schlussfolgerungen

Für einen langfristig erfolgreichen viehlosen Öko-Ackerbau müssen zusammengefasst vor allem folgende Punkte beachtet werden:

Fruchtfolge

Auch wenn die Fruchtfolge kurzfristig flexibel gehandhabt wird, muss langfristig ein ausreichender Leguminosenanteil angebaut werden. Da die Stickstoffversorgung im viehlosen Betrieb oft knapp ist, muss die Fruchtfolge so gestaltet sein, das die Stickstoffverluste möglichst gering bleiben. Das Berechnen von Stickstoff- und Humusbilanzen kann wichtige Hinweise über das Anbausystem geben. Es ist aber auch - besonders bei intensiven Fruchtfolgen - wichtig, die Entwicklung der Bodeneigenschaften und des Unkrautdrucks ständig im Blick zu behalten.

Grünbrache

Die Grünbrache ist für die meisten viehlosen Betriebe die Grundlage der Stickstoffversorgung und Unkrautregulierung sowie wichtig für den Humushaushalt und die Bodenstruktur. Der meist überjährige Anbau birgt jedoch einige Probleme, z.B.: Stickstoffverluste (gasförmig und durch Auswaschung); geringere Luftstickstoffbindung und Unkrautunterdrückung (im Vergleich zum Futterbau) sowie die ökonomische Abhängigkeit von der derzeitigen Förderpolitik.

Für diese Probleme gibt es einige Lösungsansätze: Optimierung des Grünbrachemanagements (Zusammensetzung, Pflege, Umbruch, etc.); Nutzung der Aufwüchse (Biogas, Futterverkauf, Kompostierung, etc.); Ausdehnung und Optimierung des Anbaus von Leguminosen in Zwischenfrüchten und Untersaaten (Anbausystem Weite Reihe, etc.) zur Reduktion des Grünbracheanteils.

Unkrautmanagement

Wichtig ist eine ausreichende vorbeugende Unkrautunterdrückung durch Fruchtfolge und Bodenbearbeitung. Ein langfristig aufgebauter erhöhter Unkrautdruck ist nur schwer in den Griff zu bekommen. In der Praxis werden zur Unkrautunterdrückung u.a. spezielle Früchte mit abgestimmter Bodenbearbeitung (z.B. Frühjahrsfurche & Futtererbsen-Gründüngung gegen Disteln) oder eine intensive mechanische Unkrautregulierung (z.B. Hacken bei weitem Reihenabstand in Getreide) durchgeführt.

Stickstoffverfügbarkeit

Ohne eigene Wirtschaftsdünger muss die Stickstoffverfügbarkeit vor allem durch Fruchtfolgegestaltung und Bodenbearbeitung gesteuert werden. Der Import von organischen Stickstoffdüngern ist eine weitere Möglichkeit zur gezielten Versorgung von anspruchsvollen Kulturen (z.B. Backweizen, Kartoffeln, Feldgemüse).

Standort

Die Standorteigenschaften (Boden und Witterung) können einen größeren Einfluss auf das Betriebskonzept haben als bei Gemischtbetrieben. So sind auf feuchten Standorten mit schweren Böden die Möglichkeiten der Bodenbearbeitung zur Unkrautregulierung eingeschränkt und die Stickstoffmineralisation ist oft träge. Leichte Standorte können hingegen große Mengen an Stickstoff (z.B. aus der Grünbrache) schlecht speichern und neigen zu hohen Auswaschungsverlusten.

 

 

Literaturtipp

Alle Ergebnisse des Projekts wurden in der Broschüre "Viehloser Öko-Ackerbau - Beiträge, Beispiele, Kommentare" zusammengefasst. Neben den Umfrageergebnissen und der Beschreibung der Betriebsbeispiele sind auch Einzelbeiträge zu bestimmten Themen (z.B. Stickstoff und Leguminosen, Disteln, Biogas) und ein Überblick über Forschungsprojekte zu Systemen viehloser Öko-Bewirtschaftung enthalten.

Diese Materialsammlung kann als eine Grundlage für Betriebsplanungen und -optimierungen Verwendung finden, als eine Quelle für Aus- und Weiterbildung dienen sowie zur Meinungsbildung zum Thema beitragen.

Broschüre: H. Schmidt (Hrsg.), 2004: Viehloser Öko-Ackerbau - Beiträge, Beispiele, Kommentare. Verlag Dr. Köster, Berlin. ISBN 3 - 89574 - 512 - X


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Letzte Änderung 18.04.07

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