Milchviehhaltung
Moderne ökologische Milchproduktion
Aktuell bewirtschaften mehr als 500 Milchviehbetriebe in Deutschland ihren Betrieb nach den Naturland Richtlinien und produzieren damit ca. 75 Mio. Liter Ökomilch. Die Betriebsgrößen repräsentieren je nach Bundesland die dortigen strukturellen Verhältnisse. Unabhängig von der Größe eines Naturland Milchviehbetriebes steht im Vordergrund jeder ökologischen Milchproduktion möglichst viel Milch aus dem Grundfutter zu erzielen und damit auch wirtschaftlich nachhaltig zu arbeiten. Ziel eines jeden Betriebes sollte es sein, stets gleichmäßige Nährstoffverhältnisse im Pansen der Wiederkäuer zu schaffen. Das gelingt am ehesten über eine regelmäßige und angepasste Futtervorlage in der Stallperiode und ein auf den Betrieb abgestimmtes Weidemanagement in Sommerhalbjahr. Die zwei Eckpfeiler während der Umstellung sind die im Folgenden erläuterten Haltungsbedingungen und das Fütterungsmanagement. Über alle weiteren produktionstechnischen Inhalte wie auch Fragen zur Milchlieferung und zu Richtlinien informieren Sie gerne und unverbindlich die jeweiligen Fach- und Regionalberater.
Haltung
Das Ideal in der ökologischen Milchviehhaltung ist ein geräumiger Laufstall mit Ausläufen und direktem Zugang zur hofnahen Weide. In einigen Fällen lässt sich dieses Ideal aus unterschiedlichen Gründen aber auch im Ökobetrieb nicht verwirklichen. Alle größeren Naturland-Betriebe verfügen heute über Laufställe, mit eingestreuten Liegeboxen und einem großzügigem Platzangebot von 7 – 11 m² je Kuh. Dort wo ein Zugang zur Weide möglich ist, haben die Kühe zusätzlich Weidegang. Ist dies nicht möglich, müssen die Betriebe den Kühen Auslaufmöglichkeiten zur Verfügung stellen – ab 2011 4,5 m² je Kuh. Kleinere Betriebe in Bergregionen haben mindestens halbjährigen Weidegang und dürfen die Kühe im den Wintermonaten bei artgemäßer Aufstallung und unter intensiver Tierbetreuung anbinden. Zunehmend mehr dieser kleinen Betriebe entscheiden sich aus freien Stücken, die Verhältnisse für ihre Kühe zu verbessern und damit der Forderung nach größtmöglichem Kuhkomfort Rechnung zu tragen. Das können einfache Winterausläufe sein oder Umbaulösungen unter weitgehender Nutzung der Altgebäude hin zu Laufställen, ohne die hohen Kosten eines Neubaus aufbringen zu müssen (näheres siehe PDF Anhang).
Stallbau-Übersicht Bautypen (pdf-Datei 218 KB)
Artikel Stallumbau (pdf-Datei 104 KB)
Betriebsportrait (pdf-Datei 122 KB)
Anbindehaltung - Wege zur einzelbetrieblichen Lösungen
Ende 2013 laufen die allgemeinen Ausnahmeregelungen zur Anbindehaltung aus. Dann können nur noch kleine Rinderbetriebe im Rahmen der sogenannten "Kleinbetriebsregelung" Anbindehaltung in Verbindung mit Auflagen betreiben. Sowohl die Betriebe, die nicht mehr unter die "Kleinbetriebsregelung" fallen wie auch die "Kleinbetriebe", die sich erst noch auf die für sie dann geltenden Auflagen einstellen müssen, können sich jetzt - nachdem nun Planungsssicherheit besteht - intensiver und konkreter mit dem Tehma auseinandersetzen. Sie sollten dies nicht auf die lange Bank schieben, um ausreichend Zeit für Planungen und Umsetzung zu haben.
In den folgenden pdf-Dokumenten finden Sie die mehrteilige Serie zum Thema "Wege zur einzelbetrieblichen Lösungen in der Anbindehaltung".
Fütterung
Eine dem Leistungsvermögen des Einzeltieres angepasste Fütterung ist bis zu einem gewissen Bereich im besten Sinn ökologisch, weil nachhaltig. Ziel der ökologischen Milchviehhaltung ist es einerseits eine möglichst hohe Grundfutterleistung zu erreichen. Im Sommer ist dies überwiegend Frischgras, idealerweise und kostengünstig über Weidegang – im Winter besteht die Futtergrundlage aus guten Silagen (Gras, GPS, Mais) und Heu. Eigenes oder zugekauftes ökologisches Kraftfutter (Milchleistungsfutter, Getreide, Körnerleguminosen und Körnermais) sollte andererseits eingesetzt werden, wo dies sinnvoll ist und, wie oben bereits angedeutet, nicht nur einer guten Leistung sondern vor allem auch der Tiergesundheit dient. Je nach Laktationsstadium kann die Höhe der Zufütterung daher sehr unterschiedlich ausfallen. In jedem Fall besteht sie immer zu 100 % aus ökologischen Komponenten, egal ob diese vom eigenen Betrieb stammen oder durch den reglementierten Zukauf in den Betriebskreislauf kommen. Dabei kann es auch sinnvoll sein, trocken stehende Kühe sparsam mit hohen Strohanteilen zu füttern und auf deren Körperkondition (BCS) zu achten. Flächenstarke Betriebe haben die Chance mit Low-Input-Systemen (z.B. Kurzrasenweide – siehe PDF Anhang) zu arbeiten und weitgehend auf Kraftfutter zu verzichten, was dem ökologischen Gedanken am ehesten entspricht und die Kosten im Zaum hält.
Kurzrasenweide - KF Verbrauch+Milchleistung pdf-Datei 44 KB)
Kurzrasenweide - Aufwuchshöhenrster (pdf-Datei 49KB)
Kurzrasenweide - Verlauf idealer Rasenhöhe (pdf-Datei 36 KB)
Kurzrasenweide - Rückblick nach vorn (pdf-Datei 1188 KB)
Merkblatt Kurzrasenweide der Naturland Fachberatung (pdf-Datei 759 KB)
Merkblatt Pansenacidose (pdf-Datei 298 KB)
Milchpreis
Ab Ende März 2009 werden auf der Naturland Website die aktuellen Öko-Milchpreise veröffentlicht. Hierbei werden nur Molkereien erfasst, die mit Naturland Milch beliefert werden.
Die ökologisch erzeugte Milch hat gegenüber der konventionellen Milch einen deutlichen Vorteil im Auszahlungspreis. Auch die wirtschaftliche Gesamtbetrachtung eines Ökomilchviehbetriebes schneidet positiv ab. Laut eines Berichtes in der Top Agrar (Ausgabe 4/2009) kompensieren der deutlich höhere Milchpreis und die Ökoprämie die auch im Ökolandbau gestiegenen Produktionskosten. Für gut wirtschaftende Ökobetriebe ist die Milcherzeugung auch trotz hoher Futtermittel- und Energiepreise deutlich rentabler als dies konventionell der Fall wäre.
Hier
finden Sie eine tabellarische Übersicht der Öko- Milchpreise im Monat Juni 2010 (netto Preise, Basis 4,2% Fett, 3,4% Eiweiß, keine Mengenzuschläge).
