Ökologische Schweinehaltung
Während in der Vergangenheit die ökologische Schweinehaltung eine eher untergeordnete Rolle spielte, hat sich in jüngster Zeit der Markt für ökologisch erzeugtes Schweinefleisch stark entwickelt. Durch wachsendes Interesse an der Öko-Schweinehaltung ist zu erwarten, dass Angebot und Nachfrage immer besser aufeinander abgestimmt und so die noch bestehenden Ungleichgewichte auf dem Schweinemarkt aufgehoben werden können. Jährlich werden deutschlandweit ca. 27 Millionen Schweine, davon 250.000 auf Öko-Höfen, gehalten.
Wodurch unterscheiden sich die ökologische und die konventionelle Schweinehaltung?
Ökologische und konventionelle Schweinehaltung im Vergleich
| ||
Naturland Schweine Öko-Schweine | Konventionelle Schweine | Vorteile der Öko-Haltung für die Schweine |
Das Mastschwein wird in Auslauf- oder Freilandhaltung gehalten. Ihm steht draußen eine Auslauffläche von mindestens 0,6-1,2 m² zur Verfügung (gewichtsabhängig). | Werden üblicherweise ausschließlich im Stall gehalten, verbringen also nahezu ihre gesamte Lebenszeit unter stark beengten Verhältnissen. | Die bewegungsaktiven und sehr neugierigen Tiere können raumübergreifende Verhaltensweisen ausleben. Das Immunsystem und die Konstitution werden gestärkt und mehr Abwechslung geboten. |
Im Stall steht einem Mastschwein zusätzlich zum Auslauf eine Fläche von mindestens 0,8-1,5 m² zur Verfügung (gewichtsabhängig). | Im Stall steht einem Mastschwein mindestens zwischen 0,5 -1 m² Fläche zur Verfügung (gewichtsabhängig).
| Vermehrter Platz und die Trennung von Liege- und Aktivitätsbereichen ermöglichen ihnen, ihr natürliches Sozialverhalten auszuleben und sich im Bedarfsfall zurückziehen. Im Rang niedrigere Tiere können ausweichen. |
Die Liegefläche muss mit Stroh eingestreut werden und der Anteil von Spaltenböden darf 50 % nicht überschreitenden. Es muss ein Wühlareal zur Verfügung stehen. | Die gesamte Stallfläche darf – bis auf Einschränkungen im Liegebereich – aus Vollspalten bestehen. Stroh oder Einstreu ist nicht vorgeschrieben.
| Vollspaltenböden können nicht mit Stroh eingestreut werde. Dies führt zu Reizarmut, die Tiere sind einem ständigen, giftigen Güllegestank ausgesetzt – obwohl sie mehr Riechzellen besitzen als Hunde. Das Gehen und Liegen kann zu Haut- und Klauenverletzungen bzw. zu Gelenkentzündungen führen. |
Das Kupieren der Schwänze und das Abkneifen/ Abschleifen der Zähne bei Ferkeln ist grundsätzlich verboten. Nur im begründeten Einzelfall kann die Kontrollbehörde eine Ausnahme gestatten. | Das Kupieren des hinteren Schwanzteils (Abzwicken mit einer Zange) ist die Regel. Auch Zähne dürfen routinemäßig geschliffen werden. | Nicht das Tier muss an die Produktionsbedingungen angepasst werden – sondern die Produktionsbedingungen an die Bedürfnisse des Tiers. So bemüht sich der Öko-Bauer mit Beschäftigungsmaterial und mehr Platz dem „Schwanzbeißen“ und anderen Formen der Aggression / Langeweile entgegenzuwirken. |
Raufutter wie Stroh, Heu oder Gras ist für Mast- und Zuchtschweine vorgeschrieben und wird den Tieren separat angeboten. | Für Mast- und Zuchtschweine ist nur ein geringer Anteil Raufutter vorgeschrieben. Oft werden dem Futter einfach nur Holzfasern beigemengt. | Raufutter sorgt für Beschäftigung und Abwechslung im Futterangebot. Zudem sättigt es die Tiere und sorgt für eine gesunde Verdauung. |
Sauen müssen in Gruppen gehalten werden. Ausnahme: in den letzten Trächtigkeitsphasen und während der Säugezeit. | Einzelhaltung von Sauen ist noch bis 2013 erlaubt. Sauen werden oft in Kastenständen eingesperrt. | Das sozial lebende Schwein (Gruppentier) benötigt den Kontakt zu anderen Tieren. |
Sauen dürfen nur kurzzeitig fixiert werden, damit sie ihre neugeborenen Ferkel nicht versehentlich erdrücken. | Zuchtsauen werden meist während der gesamten Säugephase in einem sogenannten Ferkelschutzgitter gehalten, in dem sie nur stehen oder liegen können. | Wenn sich Sauen vor allem um den Geburtszeitraum herum bewegen dürfen, können sie ihren arteigenen Verhaltensweisen wie dem Nestbautrieb nachgehen. Dadurch wird spezifischen Krankheiten wie dem Milchfieber vorgebeugt. Zudem wird das Mutter-Kind-Verhältnis stärker ausgeprägt. |
Ferkel müssen mindestens 40 Tage lang natürliche Milch von der Muttersau bekommen. | Ferkel dürfen bereits nach drei Wochen vom Muttertier getrennt werden. | Die Muttermilch ist die beste Ernährung für jeden Säugling. Zudem fördert das Säugen die Mutter-Kind-Beziehung und damit die Entwicklung des Ferkels. |
Fütterung
Öko-Schweine werden zu mindestens 95% mit Öko-Futter gefüttert - ab dem 1.1.2012 sogar zu 100%. Mindestens die Hälfte des Futters muss vom Naturland-Bauern selbst erzeugt.
Tiergesundheit
Vorbeugend dürfen keine chemisch-synthetischer (allopathischer) Arzneimittel (z.B. Antibiotika) eingesetzt werden, ebenso wenig wie Leistungs- und Wachstumsförderer. Die Ställe dürfen nur mit Mitteln gereinigt und desinfiziert werden, die laut der EG-Öko-Verordnung zulässig sind.
Schweinrassen
Öko-Bauern versuchen, einen goldenen Mittelweg zwischen fetten, robusten Rassen mit höchster Fleischqualität und Rassen mit magerem Fleisch und weniger Rückenspeck zu finden. Hierzu gehören die Deutsche Landrasse und das Deutsche Edelschwein in Kreuzungen mit Duroc oder stressresistentem Piétrain.
Ferkelerzeugung
In der Ferkelerzeugung stellt das Absatzferkelmanagement die schwierigste Phase der Ferkelproduktion dar. Für Ferkel ist die Zeit nach dem Absetzen sehr stark mit Stress verbunden (Trennung von der Muttersau, Umstellung des Futters), weswegen in dieser Zeit besonders auf die Gestaltung der Futterration, der Fütterungsintervalle, der Hygiene und der Wasserverfügbarkeit zu achten ist. Normalerweise bleiben Absatzferkel bis zu einem Gewicht von 25-30 kg (ca. 80 Tage) am Betrieb.
Schweinemast
Generell ist die ökologische Schweinemast hinsichtlich der Leistungsdaten sehr unterschiedlich ausgeprägt. Durchschnittlich wird ein Öko-Schwein 145 Tage gemästet und erreicht damit ein Schlachtgewicht von ca. 95 kg. Je nach Rasse/ Kreuzung, Fütterung, Hygiene- und Haltungsbedingungen schwanken die Tageszunahmen zwischen 600 und 750 Gramm. Es muss in der ökologischen Schweinmast mit Verlusten von 2-3% gerechnet werden. Die Kraftfutterverwertung liegt im Mittel bei 1:3,2 bis 1:3,5.
Laut EU-Öko-Verordnung dürfen ab dem 1.1.2012 Ferkel nur noch mit einer Schmerzmittelbehandlung bzw. Betäubung kastriert werden. Bei Naturland ist die Schmerzmittelbehandlung bereits heute vorgeschrieben und gängige Praxis. Ziel ist es, solche Eingriffe ganz zu vermeiden und stattdessen die Mast von „geruchsneutralen“ Ebern weiter zu entwickeln.
Veranstaltungen und weitere Informationen
Jährlich findet eine Schweinhaltertagung von Naturland und Bioland statt. Die nächste Veranstaltung ist vom 31. Januar 2012 bis 02.Februar 2012 in Wels (Austria)
Vorträge der letzten Tagung finden Sie
hier.
Naturland Fachtagung für Öko-Schweinehalter 25. Mai 2011 in Grub
Die Fachtagung richtete sich an Landwirte des ökologischen Landbaus, an Umstellungsinteressenten, Berater, Forscher und an sonstige Interessierte. Es wurden die Ergebnisse des fachübergreifenden Forschungsprojekts „Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der ökologischen Sauenhaltung und Ferkelerzeugung in Bayern“ vorgestellt. Im Projekt wurden elf Praxisbetriebe der ökologischen Ferkelerzeugung unter die Lupe genommen und Optimierungsvorschläge erarbeitet. Zudem wurde ein auf der Grundlage der Projekterfahrungen konzipierte Modellplanung für 168 produktive Sauen mit Ferkelaufzucht und eigener Nachzucht vorgestellt. Tierhaltung, Arbeitswirtschaft, Stallbau, Prozessqualität und Ökonomie arbeiteten in diesem Projekt eng zusammen.
Das 2008 begonnene Projekt wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert. Die Fachtagung wurde in Zusammenarbeit mit der Ökoberatungsgesellschaft mbH als Projektpartner und den Erzeugerringen Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter sowie den Forschungs-Partnerbetrieben durchgeführt.
Ökologische Schweinehaltung – Zukunftsweisende Haltungsverfahren

Bestell-Nr. 11484
ISBN 978-3-941583-49-8
Ausgabe 2011, 196 S.
Preis 25,00 €
Die ökologische Schweinehaltung ist ein interessanter, aber noch junger Betriebszweig, in den eine Investition lohnenswert sein kann. Bisher gibt es jedoch nur wenige professionelle Lösungen für die Haltung von Ökoschweinen in wirtschaftlich bedeutsamen Beständen. Schwerpunkt dieser Schrift ist deshalb die Gestaltung der Ställe, Buchten und Ausläufe für Schweine, wie sie nach den Richtlinien der EG-Öko-Verordnungen zulässig sind.
Beispiele für die Gestaltung von Abferkelbuchten werden mit Fotos, Grundriss- und Querschnittszeichnungen ausführlich beschrieben. Ebenso bietet die Schrift einen Überblick über Haltungsverfahren für die Mastschweinehaltung, die Ferkelaufzucht und für den Deck- und Wartebereich. Haltungsgrundsätze und wichtige Baudetails werden ausführlich beschrieben: Dies sind die Klimasteuerung in Stall und Auslauf, der Liegebereich, die Buchtenabtrennungen, Türen, Tore und Verschlüsse, Komfort und Beschäftigung, Möglichkeiten der Einstreu und der Entmistung, der Fressbereich und Tränken.
Investitionswilligen Landwirten und allen, die sich für die ökologische Schweinehaltung interessieren, bietet diese Schrift einen schnellen Überblick über zukunftsweisende Lösungen und zu beachtende Haltungsgrundsätze.
Ökologische Schweinefütterung

Voraussetzung zur bedarfsgerechten Fütterung der Ökoschweine ist die Kenntnis des jeweiligen Nährstoffbedarfs sowie der verfügbaren Nährstoffe im Futter. In der Ökofibel finden sich deshalb neben den Vorgaben der Ökoverbände sowohl Grundsätze und Richtwerte zur Versorgung als auch aktuelle Futterinhaltswerte. Für Zuchtsauen, Ferkel und Mastschweine werden zahlreiche Beispielsrationen '100% Öko' vorgestellt. Faustzahlen Futter- und Wasserbedarf, Hilfsmittel zur Sicherung der Fütterungs- und Haltungsqualität bilden den Abschluss der 60-seitigen Fütterungsfibel für Ökoschweine.
