Weinbau
Die Naturland Fachversammlung Wein stellt sich vor

Die neue Firmierung „Fachversammlung Wein“ (ehemals Naturland Fachverband Wein) wurde 1993 auf der Basis eines Kooperationsvertrages zwischen dem "Naturland Verband für ökologischen Landbau e.V." und dem "Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter e.V. (VDP)" gegründet.
Sie ist ein Zusammenschluss von nunmehr 25 ökologisch wirtschaftenden Weinbaubetrieben, deren Betriebsphilosophie die Erzeugung höchster Weinqualitäten und der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist. Auf einer Rebfläche von inzwischen 175 ha - mit steigender Tendenz - sind sie bestrebt, eine Bewirtschaftungsform mit ganzheitlicher Betrachtung des Betriebsorganismus und seiner Kreisläufe umzusetzen.
Die nachhaltige Leistungsfähigkeit und die Fruchtbarkeit werden dabei durch sich gegenseitig bedingende und ergänzende, umweltverträgliche Maßnahmen sichergestellt. Selbstregulierende Kräfte des Ökosystems werden hierbei bewusst mit einbezogen. Neben den unmittelbar wirtschaftlichen Zielen verfolgen diese Betriebe das Ziel, durch Landschaftspflege und Artenschutz die Ansiedelung einer größtmöglichen Vielfalt heimischer Tier- und Pflanzen im Ökosystem Weinberg.
Ökologischer Weinbau und Bodenfruchtbarkeit

Der Boden und seine Fruchtbarkeit sind das wohl wichtigste Gut eines Winzers. Die Widerstandsfähigkeit der Weinrebe gegenüber Schädlingen und Krankheiten ist unmittelbar abhängig von einer harmonischen Versorgung der Pflanze mit Nähr- und Wirkstoffen.
Die Verfügbarkeit dieser Substanzen für die Pflanze kann nur von einem aktiven, leistungsfähigen Bodenleben gewährleistet werden. Über die Art und Weise der Bodenbewirtschaftung, nimmt der Winzer Einfluß auf das Bodenleben.
Das Ziel der Bodenbewirtschaftung im ökologischen Weinbau ist eine gleichmäßig durchlüftete, humose, biologisch aktive und damit gut wasserspeichernde Humusschicht.
Schonende mechanische Bodenlockerungsmaßnahmen und die Pflege einer artenreichen Begrünung erhalten und erhöhen nachhaltig die Bodenfruchtbarkeit. Die mechanische Bodenlockerung mit anschließender Begrünung ermöglicht den Aufbau eines stabilen Krümelgefüges, das die Voraussetzung eines aktiven Bodenlebens ist. Durch geschicktes Begrünungsmanagement kann in einem etablierten System auf zusätzliche Düngemaßnahmen weitgehend verzichtet werden.
Begrünungspflanzen
Besondere Bedeutung kommt einer ganzjährigen Begrünungsführung im Weinberg zu. Sie ermöglicht die Monokultur Rebe zu durchbrechen. Dabei spielt einerseits die Auswahl einer artenreichen Mischung der Begrünungspflanzen eine große Rolle. Andererseits muss durch geschicktes Management gewährleistet sein, dass die Begrünung als Lebensraum für Nützlinge ganzjährig zur Verfügung steht, Wasserkonkurrenz zur Rebe jedoch unbedingt vermieden wird.
- Wicken, KIee, Erbsen, Bohnen:
sammeln Stickstoff aus der Luft und tragen über ein weitverzweigtes Wurzelsystem zum Aufbau und zur Stabilisierung einer krümeligen Bodenstruktur bei
- Getreidearten:
durch den gebildeten Massenaufwuchs liefern sie Energie für das Bodenleben
durch schnelles Anfangswachstum schaffen sie günstige Bedingungen für den Saataufgang der Leguminosen
dienen als Stützfrucht für rankende Wicken und Erbsen
- Malven, Phacelia:
blühende Pflanzen, dienen als Locksignal für Nützlinge
Nahrungsergänzung (Pollen und Nektar) für bestimmte Nützlingsgenerationen
- Raps, Rüben, Ölrettich:
wurzeln sehr tief und besitzen eine gute Speicherfähigkeit für überschüssigen Stickstoff (Herbst/Winter)
Rebkrankheiten und Schädlinge

Peronospora viticola (Falscher Mehltau, Lederbeerenkrankheit und Oidium tuckeri (Echter Mehltau, Äscherich, Samenbruch) sind die Hauptkrankheiten in der Rebkultur.
Sie wurden Mitte des 19. Jahrhunderts von Amerika nach Europa "eingeschleppt". Die Widerstandskraft der europäischen Rebsorten gegen diese Pilzkrankheiten war und ist gering, so dass sie sich von Frankreich aus sehr rasch in ganz Europa verbreitete und zur Vernichtung vieler Rebanlagen geführt hat.
Wiederum von Frankreich ausgehend erkannte man schon bald, daß Kupfer und Schwefel wirksame Substanzen gegen diese Krankheiten sind.
Noch heute sind diese Stoffe im ökologischen Weinbau gebräuchlich, jedoch sind die Ausbringmengen durch die Anbaurichtlinien streng begrenzt.
Auf hochwirksame Pestizide aus dem Reagenzglas wird vollkommen verzichtet. Roter Brenner und Botrytis sind weitere Rebkrankheiten, die den Winzern oftmals Sorgen bereiten. Auch einige Insekten zählen zu den Feinden der Rebe.
Beispiele hierfür sind: Kräuselmilben Pockenmilben, Spinnmilben, Erdraupen, Traubenwickler. In gewissem Umfang treten auch Nematoden und Virosen auf.
Ökologischer Pflanzenschutz
Gesunde Trauben sind die Grundlage für die Erzeugung von Spitzenweinen. Im ökologischen Weinbau wirkt der Winzer durch aktives Qualitäts-, Boden- und Begrünungsmanagement den Schädigungen der Rebe durch Pilzkrankheiten und durch tierische Schädlinge entgegen.
Eines der wichtigsten Instrumente des Qualitätsmanagements ist das Ertragsniveau. Durch Massnahmen wie reduzierter Anschnitt, Triebkorrektur, etc. wird ein sorten- und standortangepasstes Ertragsniveau erreicht, was sich positiv auf die Langlebigkeit und Abwehrkraft des einzelnen Rebstocks auswirkt.
Die Maßnahmen des Boden- und Begrünungsmanagements sind ebenfalls auf die Langlebigkeit der Rebe und die Steigerung ihrer natürlichen Abwehrkräfte ausgerichtet. Durch schonende Bodenbearbeitung, Einsaat von artenreichen Begrünungen und organische Düngung wird das Bodenleben aktiviert, sowie Nützlinge gepflegt und gefördert.
Spritzungen mit Gesteinsmehlen, Pflanzenauszügen, Kupfer und Schwefel in geringen Mengen werden erst dann notwendig und eingesetzt, wenn trotz dieser vorbeugenden Maßnahmen Schädigungen zu erwarten sind.
Nützlinge im Weinberg
"Fressen und gefressen werden" , diese Devise gilt auch in einem ökologisch bewirtschafteten Weinberg!
Nützlinge im Weinberg sind nicht nur ein Ausdruck des natürlichen Gleichgewichts, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Weinrebe vor Schadorganismen. Raupen- und, Florfliegen, Raubmilben, Marienkäfer, Kugelkäfer, Schlupfwespen, Erzwespen, räuberisch lebende Wanzen u. a. m. sind also sehr erwünschte Bewohner der Rebflächen.
Es ist ein wichtiges Anliegen des Ökologischen Weinbaus, diese Tiere zu schonen und ihre Lebensbedingungen zu optimieren.
